Erfassung von befreiten ehemaligen Verfolgten an unterschiedlichen Orten (F18-Listen)

Identifier
DE ITS 3.1.1.3
Language of Description
German
Level of Description
Collection
Languages
  • Die Dokumente sind überwiegend in deutsch und englisch, aber auch in anderen europäischen Sprachen und zum geringen Teil in hebräisch verfasst.
Source
EHRI Partner

Extent and Medium

digital reproductions

54693

Der gesamte Bestand ist gescannt und in elektronischer Form verfügbar. Als Recherchewerkzeuge können entweder das Softwaresystem des Internationalen Suchdienstes oder die Software verwendet werden. Einige wenige Dokumente - insbesondere Durchschläge und alte Kopien - sind schlecht bis sehr schlecht lesbar. Dies betrifft sowohl die elektronischen Abbildungen als auch die Papierversionen.

Archival History

Im Februar 1946, also kurz nach seinem Umzug nach Arolsen, begann das Zentrale Suchbüro, Vorgänger des Internationalen Suchdienstes unter Verwaltung der Nothilfe- und Wiederaufbauverwaltung der Vereinten Nationen (UNRRA = United Nations Relief and Rehabilitation Administration), alle bislang vorliegenden und neu eingehende Dokumente nach einem neuen Aktenplan zu klassifizieren, zu kennzeichnen und zu vereinnahmen. Dieser Aktenplan sah unter anderem eine Kategorie für Dokumente in Bezug auf überlebende Verfolgte (Persecutees) - gemeint waren Verfolgte aus Gründen der Rasse oder Religion - vor. Als Aktenzeichen wurde Dokumenten dieser Kategorie, die weitgehend auch heute noch in dem beschriebenen Bestand enthalten sind, die Kennzeichnung „ F 18“ gefolgt von einer fortlaufenden Nummer zugewiesen, wobei die fortlaufende Nummer gleichzeitig die Ablagereihenfolge bestimmt. Die Bestandsbildung erfolgte bis auf einige spätere Zuwächse geringeren Umfangs zwischen 1946 und Ende der 1950er Jahre. Allerdings hat der Internationale Suchdienst (ISD) im Laufe der Zeit – vermutlich schon seit Anfang der 1950er Jahre – einige Umstrukturierungen vorgenommen, die sich noch heute insbesondere auf die Namenrecherche in diesem Bestand unter Verwendung der Zentralen Namenkartei (ZNK) auswirken.Seit vielen Jahren wird dieser Bestand nunmehr von der Abteilung Nachkriegszeitdokumente des ISD in nahezu unveränderter Form verwaltet und im Wesentlichen für Recherchen nach dem Verbleib von überlebenden ehemaligen Verfolgten genutzt.

Scope and Content

Der Bestand enthält im Wesentlichen Listen über ehemalige Verfolgte, zum weitaus überwiegenden Teil Personen jüdischer Abstammung, die nach ihrer Befreiung bzw. sobald ihr Aufenthaltsort von den alliierten Kräften kontrolliert wurde, von staatlichen Einrichtungen und Hilfsorganisationen, überwiegend dem Jüdischen Weltkongress (World Jewish Congress) registriert wurden, um unter anderem eine zentrale Nachforschung über ihren Verbleib durch den Internationalen Suchdienst bzw. seiner Vorgängerorganisation zu ermöglichen. Die Registrierung erfolgte ortsbezogen an unterschiedlichen Orten Europas und auch weltweit bis in die 1950er Jahre und für einzelne Personen ggf. mehrfach im Verlauf entsprechender Transporte und Wanderungsbewegungen. Mitgliederlisten von verschiedenen Jüdischen Gemeinde innerhalb und außerhalb Deutschlands geben den zumindest vorübergehend endgültigen Aufenthaltsort der betreffenden Personen nach deren Repatriierung an. Darüber hinaus wurden in den Bestand auch Suchlisten, d.h. Listen über vermisste Personen des genannten Personenkreises aufgenommen, die dem ISD unter anderem von o.a. Organisationen übersandt wurden. In wenigen Einzelfällen sind in Listen dieses Bestands auch Todesfälle in Bezug auf den betreffenden Personenkreis vermerkt.

System of Arrangement

Physisch besteht dieser Bestand aus 231 nummerierten Archivbehältern (Nummern 1 - 228 mit eingefügten a- und _1-Nummern), einem Nachtragsbehälter sowie aus 105 nummerierten Büchern (Nummern B0001 – B0102 mit eingefügten a-Nummern). Innerhalb der Serie der Archivbehälter sind die Dokumente nach Aktenzeichen (d.h. der Nummer, die der Kennung „F 18“ folgt) abgelegt. Die Einzelseiten eines jeden Buchs weisen ein einheitliches Aktenzeichen auf; allerdings ist ein Aktenzeichen eines Buches nicht zwangsläufig eindeutig. Innerhalb der Aktenzeichen sind die Dokumente unterschiedlich sortiert. Insbesondere bei umfangreichen Aktenzeichen, unter denen Registrierungen in bestimmten Ländern abgelegt sind, wurden Untergruppen – meist (in alphabetischer Sortierung), und ggf. für sonstige spezielle Sachverhalte – gebildet. Auf unterste Ebene sind die Listen schließlich überwiegend chronologisch nach Bezugsdatum (d.h. Datum der Registrierung) geordnet. In den meisten Fällen werden die Gruppierungen auf den Trennblättern, d.h. der jeweils ersten Seite der jeweiligen Aktenzeichen vermerkt, und jede Gruppe, teilweise auch bestimmte wichtige Listen ebenfalls mit einem beschrifteten Trennblatt eingeleitet. Vielfach ist auf den Dokumenten eine Paginierungsnummer angebracht, die oft jedoch nicht mehr von Bedeutung ist. Teilweise wurden die Behälter im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten für die Digitalisierung neu paginiert. Die Struktur der Papierablage wurde im Wesentlichen bei der Digitalisierung der Dokumente beibehalten und ist auch im elektronischen Archiv sichtbar. Die dortigen Ordnernamen entsprechen denen der Archivbehälter und Bücher. Alle Zahlen wurden vierstellig mit führenden Nullen aufgefüllt, bei eingefügten Ordnern der jeweilige Buchstabe an die vierstellige Zahl angehängt. Die Seitennummern der elektronischen Ordner - ebenfalls vierstellig mit führenden Nullen – wurden neu vergeben, soweit der betreffende Ordner noch keine durchgehende Paginierung aufwies. Seiten, die nachträglich in eine bestehende Reihenfolge eingefügt wurden, erhielten hierbei eine Seitennummer, die sich aus der Nummer der vorangehenden Seite und einem zugefügten ‚a’ oder einer angehängten weiteren Nummer ('-001', '-002', ...) ergibt. Unabhängig von der physischen Struktur wurde durch Auswertung und Zuordnung der vorhandenen Inventarinformationen versucht, eine logische Strukturierung des Bestands nach geographischen Kriterien, wie im Folgenden aufgeführt, vorzunehmen. Nähere Einzelheiten zu der in diesem Zusammenhang durchgeführten provisorischen Erschließung können den Abschnitten und entnommen werden.

Finding Aids

  • Mit Hilfe der Attributierung der Dokumente und der Bereitstellung einer provisorischen Erschließung wird innerhalb der IT-Systeme, die den digitalisierten Bestand verwalten, eine Suche nach bestimmten Sachverhalten, in diesem Fall vorwiegend Ortsangaben, sowie auch nach aktuell und vormals verwendeten Aktenzeichen unterstützt. Die vorliegende Erschließung stellt eine Zusammenstellung aller vorliegenden Inventardaten dar. Diese umfassen sowohl die Informationen, die auf den bis etwa 1952 geführten Inventurkarten vermerkt sind, als auch die in elektronischer Form vorliegende Inventarliste der Dokumente, die nach diesem Zeitpunkt vereinnahmt wurden. Den Inventarbeschreibungen wurden, soweit mit vertretbarem Aufwand möglich, die entsprechenden Dokumente zugeordnet, so dass ausgehend von einer derartigen Detailbeschreibung unmittelbar auf diese Dokumente zugegriffen werden kann (vgl. auch in Bezug auf Ungenauigkeiten und Grenzen dieses Verfahrens). Ferner wurden diesen Beschreibungselementen Konkordanzlisten beigefügt, in denen die auf den Dokumenten und den Inventurkarten aufgefundenen Informationen zu aktuell und vormals verwendeten Signaturen (z.B. ehemalige „F 18“-Aktenzeichen) aufgelistet sind, und diese für Suchzwecke verfügbar gemacht. Schließlich wurden die Beschreibungselemente im Wesentlichen nach den Ländern, in denen die jeweils dokumentierten Registrierungen vorgenommen wurden, gruppiert, um den umfangreichen Bestand an Inventardaten etwas übersichtlicher zu gestalten. Auf diese Weise unterstützt die elektronisch bereitgestellte Archivbeschreibung folgende Suchvorgänge:Jeweils ausgehend von einem hierbei gefundenen Beschreibungselement können die betreffenden zugeordneten Dokumente angezeigt werden. Hierbei empfiehlt es sich insbesondere bei Beschreibungselementen mit Signaturen (vormals Inventarnummern) zwischen 8.800.000 und 8.809.999 – hierbei handelt es sich um Angaben aus den Inventurkarten vor 1953 – auch die Umgebung der Dokumente in der Ablage zu untersuchen. Bei solchen Beschreibungselementen konnten die Dokumente nicht immer vollständig zugeordnet werden, da eine entsprechende Kennzeichnung fehlte oder der ISD die Dokumente im Laufe der Zeit durch gleiche oder ähnliche Dokumente, die unter einer anderen Inventarnummer vereinnahmt wurden, ersetzt hat. Die Dokumente selbst wurden, soweit aus ihnen entnommen werden konnte, mit Angaben zu bzw. des Aufenthalts der aufgeführten Personen, mit der der registrierten Personen, soweit eindeutig, und auch mit den auf dem Dokument notierten attributiert. Somit besteht alternativ die Möglichkeit, eine Attributsuche innerhalb des Dokumentenbestandes nach diesen Merkmalen durchzuführen. Während insbesondere die Suche nach Ortsbezeichnungen in manchen Fällen sehr hilfreich sein kann, muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Treffermenge unter Umständen nicht vollständig ist. Einerseits enthalten die Dokumente vielfach keine oder keine eindeutig interpretierbare Ortsangabe, so dass auf eine Erfassung verzichtet wurde, andererseits sind die Orte in ungewöhnlichen oder sogar falschen Schreibweisen aufgeführt und oft auch in dieser Schreibweise erfasst. Für die innerhalb der Bestände und Sammlungen des ISD steht die (DE ITS 0.1) zur Verfügung. Es kann davon ausgegangen werden, dass der Bestand nahezu vollständig in diesem Findmittel vertreten ist. Als Fundort wird auf Hinweiskarten, die sich auf diesen Bestand beziehen, ausnahmslos das betreffende „F 18“-Aktenzeichen, das zum Zeitpunkt der Erstellung dieser Karte aktuell war, angegeben (vgl. auch ), in der Regel ergänzt um weitere Angaben (Betreff, Datum) der jeweiligen Liste. Es empfiehlt sich, mit diesem Aktenzeichen eine Signatursuche unter Einschluss der Konkordanzlisten innerhalb der Archivbeschreibungen durchzuführen, da auf diese Weise auch Altsignaturen gefunden, die nicht in allen Fällen auf den Dokumenten notiert sind, sowie auch Dokumentengruppen unmittelbar identifiziert werden können, die in andere Bestände verlagert wurden. Die auf diese Weise erzielte Treffermenge ist anschließend manuell mit den weiteren Angaben auf der Hinweiskarte abzugleichen, um eine weitere Eingrenzung vorzunehmen.

Related Units of Description

  • Wie bereits unter dargestellt, führte das sehr allgemein gehaltene Ablagekriterium („Verfolgte“) zu Abgrenzungsproblemen und inhaltlichen Überschneidungen dieses Bestandes mit anderen Beständen und Sammlungen des ISD – und auch zu den erwähnten Dokumentenverlagerungen. Aus diesem Grund können Dokumente, die in diesem Bestand erwartet werden, durchaus in anderen Beständen bzw. Sammlungen des ISD – mit oder ohne zugeordneter „F 18“-Signatur abgelegt sein. Hierbei sind auch Fälle zu beobachten, in denen sich eine Ausfertigung einer Liste in diesem Bestand, eine weitere Ausfertigung derselben Liste (z.B. erhalten zu einem anderen Zeitpunkt oder von einer anderen Stelle) in einem anderen Bestand abgelegt ist. Aus heutiger Sicht sind folgende Abgrenzungen und Überschneidungen bekannt:

Process Info

  • Wie bereits erwähnt, wurde diese provisorische Verzeichnung ausgehend von den vorliegenden Inventarinformationen und einer Erfassung von auf den Dokumenten vermerkten Inventarnummern, Signaturen und Altsignaturen, die im Rahmen der Nachbearbeitung der Digitalisierungsergebnisse vorgenommen wurde, erstellt. Die Zuordnung von Dokumenten zu den Beschreibungen wurde zum großen Teil automatisch mit Hilfe von Datenbankvergleichen durchgeführt. Nur bei fehlenden Zuordnungsmöglichkeiten (eine Inventarnummer des Inventarverzeichnisses war auf keinem der Dokumente vermerkt) und bei offensichtlichen größeren Diskrepanzen zwischen der Anzahl vereinnahmter und tatsächlich vorhandener Seiten zu einer Inventarnummer wurden manuelle Sichtungen der Dokumente vorgenommen, um eine Klärung herbeizuführen. Als problematisch zeigte sich hierbei die Zuordnung der Beschreibungselemente, die auf der Grundlage der bis Anfang der 1950er Jahre für Inventarisierungszwecke verwendeten Inventurkarten erstellt wurden. Zwar wurden für diese Karten neue eindeutige Inventarnummern generiert (Nummernkreis 8.800.000 bis 8.809.999), diese waren naturgemäß jedoch nicht auf den Dokumenten notiert, so dass hier andere, teilweise etwas ungenauere Zuordnungsverfahren auf Basis der ebenfalls von den Dokumenten erfassten Eingangsnummern („Lot“), Signaturen und Altsignaturen zum Einsatz kamen. Auch ein mengenmäßiger Abgleich erwies sich in diesem Bereich als unmöglich, da auf den Inventurkarten in der Regel die Gesamtzahl der Seiten einschließlich Duplikaten vermerkt ist, die Duplikate jedoch im Bestand nicht auftauchen und zudem bestimmte Listen ganz oder teilweise durch später eintreffende, unter anderer Inventarnummer vereinnahmte Ausfertigungen ersetzt wurden. Insgesamt ergibt sich aus den Erfahrungen mit der diesbezüglichen Bearbeitung des Bestands das folgende Bild:Abschließend sei erwähnt, dass die Gruppierung der Beschreibungselement nach Ländern, Ländergruppen bzw. Suchlisten ebenfalls nahezu vollständig mit Hilfe automatischer Verfahren unter Verwendung der in elektronischer Form vorliegenden Index- und Beschreibungsdaten erzeugt wurde, so dass auch hier geringfügige Unschärfen nicht ausgeschlossen werden können.Uwe Ossenberg, Ossenberg & Schneider GmbH

  • April 2009