Evangelischer Feldbischof der Wehrmacht

Identifier
RW 12-I
Language of Description
German
Dates
1 Jan 1931 - 31 Dec 1945
Level of Description
Collection
Languages
  • German
Source
EHRI Partner

Extent and Medium

Schriftgut

28 Aufbewahrungseinheiten

0,4 laufende Meter

Creator(s)

Biographical History

Geschichte des Bestandsbildners

1929 trat eine "Evangelische militärkirchliche Dienstordnung für das Reichsheer und die Reichsmarine" mit Ausführungsbestimmungen in Kraft (H.Dv./M.Dv. 370). Mit dem Kriegsbeginn erschienen einige besondere Regelungen, so z. B. das "Merkblatt über Feldseelsorge" (1942 Neuregelung), die "Dienstanweisung für die Kriegspfarrer beim Feldheer" sowie ein Erlass des RLM und OdL und eine Anordnung des OdM betreffend die Marineseelsorge.

An der Spitze der Militärkirchen stand der Feldprobst (ab 1934 Feldbischof) Evangelischer Feldbischof war Franz Dohrmann (1934-1945). In seiner dienstrechtlichen Stellung war der Feldbischof in militärkirchlichen Angelegenheiten ausführendes Organ des Reichkriegsministeriums, ab 1938 des Oberkommandos der Wehrmacht und Vorgesetzter der Militärpfarrer, des Verwaltungssekretärs, der Miltärküster und der Feldprobstei. Er bereiste Standorte, erließ allgemeine militärkirchliche Verfügungen, hielt Militärpfarrerversammlungen ab und führte Militärpfarrer in ihr Amt als Reichsbeamte ein, versetzte oder beurlaubte sie.

Die Tätigkeit der Militärgeistlichen im Frieden umfasste u.a. den Gottesdienst mit Predigt, Gelegenheit zur Beichte und Kommunion, die Seelsorge in den Lazaretten und Gefängnissen, Abendvorträge in den Kasernen, Bibelstunden und die Verwaltung der Garnisonskirchen. Als Militärgeistliche dienten die Heeresoberpfarrer und Heerespfarrer sowie Standortpfarrer im Hauptamt und Standortpfarrer im Nebenamt. Sie gehörten zur Gruppe der Wehrmachtbeamten mit allgemeinem Offiziersrang und trugen Dienstkleidung. Mit Ausbruch des Kriegs traten die Bestimmungen bezüglich der Feldseelsorge in Kraft, nach denen den einzelnen Divisionen (hier Abteilung IV d) und Feldlazaretten sogenannte Feldgeistliche zugeordnet wurden. Im Bedarfsfall wurden außerdem sogenannte Kriegspfarrer bestellt, d. h. außerplanmäßige Feldgeistliche mit dem Rechtsstatus eines Angehörigen der Wehrmacht und Beamten auf Kriegsdauer. Mit fortschreitender Kriegsdauer wurde aufgrund des Mangels an Wehrmacht- bzw. Feldgeistlichen auch ins Feld gezogene Geistliche (sog. Priestersoldaten) zur Mithilfe in der Seelsorge herangezogen. Im Unterschied zur Marine und zum Heer gab es bei der Luftwaffe keine ordentlichen Planstellen für Militärgeistliche.

Die Militärseelsorge hatte nicht nur unter der Kirchenpolitik der NS-Führung (Hitlers, Goebbels, Rosenbergs und während des Krieges vor allem Bormanns) zu leiden, sondern auch darunter, dass sich die Haltung des Offizierskorps gegenüber der Soldatenseelsorge zunehmend wandelte. Je größer die Wehrmacht wurde, je mehr jüngere, nationalsozialistisch geprägte Offiziere hinzukamen, desto ungünstiger wurde damals das Klima für die Arbeit und das Wirken der Militärseelsorge.

Scope and Content

Geschichte des Bestandsbildners

Von den wenigen erhalten gebliebenen Unterlagen des Bestandes RW 12 I befand sich bereits ein großer Teil im Militärarchiv Koblenz. Weitere Unterlagen gelangten 1975 in das Bundesarchiv.

Bestandsbeschreibung

Die wenigen erhalten gebliebenen Akten der Feldbischöfe enthalten neben einigen Dokumente von grundsätzlicher Bedeutung vor allem Angaben zur Organisation sowie zum Personalwesen und -einsatz. Neben einigen wenigen Unterlagen zu Dienstbesprechungen und Schulungslehrgängen ist ebenfalls eine Überblicksdarstellung zur evangelischen Militärseelsorge von 1900 bis 1929 erhalten geblieben. Erwähnenswert sind auch 6 Bände zum Seelsorgedienst und zur geistlichen Betreuung (1939-1944), die Brieftagebücher (5 Bände) des Wehrkreispfarrers im Wehrkreis III wurden in diese Reihe integriert (1927-1932). 

Zu der Wahrnehmung seiner seelsorgerischen Aufgaben sind vom Evangelischen Feldbischof mehrere Unterlagen überliefert. Besondere Erwähnung soll hier die Ansprache Dohrmanns bei der Überführung des Sarges von Hindenburg in die Gruft des Reichsehrenmals Tannenberg am 2. Oktober 1935 finden. 

Zitierweise

BArch RW 12-I/...

Related Units of Description

  • Verwandtes Archivgut im Bundesarchiv

  • RH 15 Allgemeines Heeresamt/ Amtsgruppe Seelsorge

  • RH 53-5 Wehrkreiskommando V/evangelischer Standortpfarrer Baden-Baden

  • N 182 Franz Dohrmann

  • N 616 Marinedekan Sontag

  • Amtliche Druckschriften

  • Zu finden unter Klassifikationspunkt 5 Veröffentlichungen (vormals im Bestand RWD 13).

  • Literatur

  • Beese, Dieter: Seelsorger in Uniform. Evangelischer Militärseelsorge im Zweiten Weltkrieg, Hannover 1995.

  • Kretschmar Georg (Hrsg.) im Auftrag der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Zeitgeschichte): Dokumente zur Kirchenpolitik der Dritten Reiches, München 1975.

  • Kunst, Hermann (Hrsg.): Gott läßt sich nicht spotten. Franz Dohrmann Feldbischof unter Hitler, Hannover 1983.

  • Neuhäusler, Johann: Kreuz und Hakenkreuz, München 1946. Pöpping, Dagmar: Kriegspfarrer an der Ostfront. Evangelische und katholische Wehrmachtseelsorge im Vernichtungskrieg 1941-1945 (Arbeiten zur Kirchlichen Zeitgeschichte, Bd. 66), Göttingen 2017.

  • Scholder, Klaus: Die Kirche und das Dritte Reich, Frankfurt/Berlin 1985.

  • Schranz-Keller, Cornelia: Bibliographie des Feldpredigerwesens im In- und Ausland, Bern 1993.

  • Schübel, Albrecht: 300 Jahre evangelische Soldatenseelsorge, München 1964.

  • Vogt, Arnold: Religion im Militär. Seelsorge zwischen Kriegsverherrlichung und Humanität, Frankfurt a.M./Bern/New York 1984 (Europäische Hochschulschriften Reihe III, Bd. 253).

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