Dienststellen und Einheiten des Sanitätswesens der Waffen-SS

Identifier
RS 9
Language of Description
German
Alt. Identifiers
  • RS 4
Dates
1 Jan 1939 - 31 Dec 1945
Level of Description
Fonds
Source
EHRI Partner

Extent and Medium

13 AE

Schriftgut

Biographical History

Die ärztliche Behandlung und Betreuung kranker und verwundeter Angehöriger der Waffen-SS erfolgte seit 1936 in „SS-eigenen Lazarett-Abteilungen der kasernierten SS". Bei den SS-Lazaretten unterschied man analog zur Wehrmacht zwischen Feldlazaretten bei den Brigaden, Divisionen und Korps der Waffen-SS, die als Bestandteil der Verbände galten, Ortslazaretten, die durch die Sanitäts-Abteilungen der Truppe bei Stationierung außerhalb des Heimatgebietes vorübergehend errichtet wurden, Kriegslazaretten als ortsfeste Einrichtungen außerhalb des Heimatgebietes, Reservelazaretten im Heimatgebiet bzw. Lazarett-Abteilungen für die Behandlung spezieller Verwundungen und Krankheiten, Standortlazaretten an SS-Standorten, Krankenstuben (Revieren) bei den Einheiten in den Standorten sowie Genesungsheimen als Kur- und Erholungsstätten zur Nachbehandlung. Bei der Einlieferung in all diese Einrichtungen wurde keine Unterscheidung zwischen SS- und Waffen-SS-Angehörigen gemacht.

Seit 1938 waren von verschiedenen SS-Hauptämtern SS-Erholungsheime eingerichtet und unterhalten worden, diese dienten Angehörigen von Allgemeiner SS, Verfügungstruppe und Totenkopfverbänden und deren Familien als Erholungsstätten. Im Frühjahr/Sommer 1940 wurden dann sechs von diesen der Waffen-SS als „Genesungsheime" zur Verfügung gestellt, darunter die Heime Karlsbad, Gießhübl (Sudetenland) und Bayrischzell.

Letzteres in der Nähe von München gelegene Heim, dessen Überlieferung die größte Aktenportion im Bestand RS 9 ausmacht, war bei Kriegsausbruch von der „Gesellschaft zur Förderung und Pflege deutscher Kulturdenkmäler e.V." dem SS-Sanitätsamt als SS-Berghaus (100 Betten) zur Verfügung gestellt worden und wurde durch Unterstellung unter den Korpsarzt der bewaffneten-SS mit Wirkung vom 16. November 1939 zum ersten Kur- und Erholungsheim der Waffen-SS. Im Frühjahr 1940 wurde es dann SS-Genesungsheim und widmete sich der Behandlung von Folgezuständen nach Verwundungen. Ab Oktober 1942 wurde die Einrichtung, die ebenfalls das gepachtete Haus „Alpenrose" und weitere Liegenschaften in Bayrischzell umfasste, wie die übrigen Kur- und Genesungsheime, zur Vereinheitlichung der in Bezug auf ihren Zweck zum Teil verwirrenden Bezeichnungen zu SS-Lazaretten oder (so auch im Falle Bayrischzells) zu SS-Lazarett-Abteilungen. SS-Lazarette und -Lazarett-Abteilungen, die ärztlich geleitet und betreut wurden, unterstanden dem SS-Sanitätsamt, solche, die nicht ärztlicher Leitung unterstanden und nur von Vertragsärzten versorgt wurden, unterstanden als Fürsorge- und Versorgungseinrichtungen dem Rasse- und Siedlungs-Hauptamt der SS (RuSHA-SS). Ebenfalls im Jahr 1942 wurde, um die Heime zusammenzufassen und eine juristische Person als Vermögensträger zu schaffen, der Verein „Erholungsheime für naturgemäße Heil- und Lebensweise e.V." gegründet und dem Amt W VII/SS- RuSHA-SS unterstellt. In diesen wurden die Einrichtungen eingebracht und nun von ihm betrieben und bewirtschaftet. Im Sommer 1944 wurde dann die Handelsgesellschaft „Erholungsheime für naturgemäße Heil- und Lebensweise GmbH" gegründet und wiederum die bestehenden Heime hierin eingebracht. Die Gesellschaft sollte in ein Organverhältnis zur Deutschen Wirtschaftsbetriebe GmbH (DWB) treten, um die wirtschaftlichen Verluste der SS-Erholungsheime durch den Gewinn der übrigen Gesellschaften ausgleichen zu können. Im Oktober 1944 gab es insgesamt 35 Heime mit ca. 1500 Betten.

Verschiedene Quellen sprechen im Zusammenhang mit Bayrischzell auch vom „SS-Berghaus Sudelfeld" - diese Bezeichnung taucht auch im amtlichen Schriftgut auf -, wo sich auch ein Außenlager des KZ Dachau befunden haben soll, welches Arbeitskräfte u.a. für die Versorgung des Hotels Alpenrose zur Verfügung gestellt haben soll.

Des Weiteren befindet sich im Bestand Schriftgut der SS-Korps-Sanitäts-Abteilung 101 bzw. dem Feldlazarett 501. Als im Juli 1943 das Generalkommando des 1. SS-Panzer-Korps „Leibstandarte" aufgestellt wurde, wurde ebenso die Aufstellung entsprechender Sanitätsdienste befohlen. Mit Wirkung vom 4. Dezember 1943 wurden dann die Sanitätsdienste des Generalkommandos in SS-Korps-Sanitäts-Abteilung 101 umbenannt. Am 15. Februar 1944 wurde diese dann nach ihrer Verlegung von Italien nach Aschel/Belgien durch das Führungshauptamt der SS (SS-FHA) umgegliedert und in SS-Feldlazarett 501 umbenannt. Am 24. 5. wurde die Einheit der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend" zugeteilt, mit Wirkung vom 25. Juni 1944 schied sie aus dem Korpsverband aus und wurde Sondertruppe Reichsführer-SS, blieb aber weiterhin dem Generalkommando 1. SS-Panzerkorps zugeteilt. Im Juli 1944 war sie 16 Führer, 35 Unterführer, 145 Mannschaften und zusätzlich 26 DRK-Schwestern, 24 ukrainische Helferinnen und 12 russische Hilfswillige stark.

Ebenfalls befindet sich im Bestand RS 9 Schriftgut zur SS-Sanitäts-Abteilung 12, welche am 5. September 1943 in Turnhout/Belgien aufgestellt wurde und der 12. SS-Panzer-Division „Hitlerjugend" unterstellt war, sowie von der Sanitäts-Abteilung „Das Reich", aus der im Oktober 1943 die SS-Sanitäts-Abteilung 2 hervorgegangen war. Auch findet sich Schriftgut der Zahnstation der SS-Lazarett-Abteilung Würzburg, die für die zahnärztliche Versorgung zuständig war, im Bestand.

Scope and Content

Der Bestand RS 9 umfasst insgesamt 13 Aufbewahrungseinheiten. Den Großteil der schriftlichen Überlieferung machen hierbei die Akten des SS-Genesungsheims bzw. der SS-Lazarett-Abteilung Bayrischzell aus. Hierbei handelt es sich um Verwaltungsangelegenheiten, zumeist Personalangelegenheiten. Von der SS-Sanitäts-Abteilung „Das Reich" finden sich Wochendienstpläne und im Speziellen Schriftgut zum Entgiftungs- und Entseuchungszug. Vom SS-Feldlazarett 501 sind verschiedene Anordnungen und Befehle des übergeordneten Generalkommando 1. SS-Panzer-Korps "Leibstandarte SS Adolf Hitler" an das Lazarett überliefert, von der Zahnstation der SS-Lazarett-Abteilung Würzburg ein Bestell- und Behandlungsbuch und von der Zahlstelle der SS-Lazarett-Abteilung Würzburg Schriftgut zu verschiedenen Verwaltungsangelegenheiten. Aufschlussreich hinsichtlich der Tätigkeit eines Frontlazaretts bzw. Heeres-Verbands-Platzes (HVP) ist die Akte RS 9/19, die das Kriegstagebuch mit Kriegsrangliste, Lageskizzen und Fotografien der zu dieser Zeit in der Normandie und später in Belgien eingesetzten SS-Sanitäts-Abteilung 12 (12. SS-Panzerdivision "Hitlerjugend") vom 6.6. - 15.9.1944 beinhaltet.

Die Laufzeit der Akten umfasst den Zeitraum 1939-1945, wobei nur die Akten der SS-Lazarett-Abteilung Bayrischzell die gesamte Zeitspanne abdecken und der Rest sich im Allgemeinen auf die Jahre 1942-1944 fokussiert. Insgesamt ist die Überlieferung sehr bruchstückhaft und heterogen, Akten zu anderen Einrichtungen des Sanitätswesens der Waffen-SS sind im Bundesarchiv-Militärarchiv nicht überliefert. Daher sei auf den Nachlass des Dokumentars der „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS e.V." (HIAG), Wolfgang Vopersal, der eine wichtige Ersatzüberlieferung zur Waffen-SS allgemein darstellt, ausdrücklich hingewiesen.

Related Units of Description

  • Bestände und Akten im Bundesarchiv-Militärarchiv

  • N 756 Nachlass Wolfgang Vopersal,

  • N 756/301a-307 Sanitätswesen der Waffen-SS

  • RS 4 Verbände und Einheiten der Feldformationen der Waffen-SS

  • RS 4/1612 Sanitätswesen der SS, speziell der LSSAH.- Allgemeine Richtlinien und Einzelfälle, Mai 1935 - Dez.1936

  • RH 12-23 Heeressanitätsinspektion

  • RH 12-23/1207 Lazarettraumbeschaffung für die Waffen-SS, 1944-1945

  • MFB 2 Mikrofilme zum Bestand des Militärarchivs Prag

  • Bestände und Akten im Bundesarchiv Berlin, Abteilung R

  • NS 2 Rasse- und Siedlungshauptamt SS

  • NS 2/261 Anordnungen zum Sanitäts- und Gesundheitswesen in der Wehrmacht und in der Waffen-SS (vorwiegend des Chefs des Wehrmachtsanitätswesen und des Reichsarztes SS), 1942-1943

  • NS 2/264 SS-Sanitäts- und Gesundheitswesen im SS-Standort Berlin.- Anordnungen, Rundschreiben etc. des SS-Standortarztes der Waffen-SS, Berlin, an die Truppenärzte des SS-Standortes Berlin, 1942-1943

  • NS 3 SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt

  • NS 3/499 SS-Erholungsheim in Bad Gastein, Aug. 1944

  • NS 19 Persönlicher Stab Reichsführer-SS

  • NS 19/1425 Genesungsheim für Waffen-SS-Angehörige in Urfahrn am Chiemsee, 1940

  • NS 31 SS-Hauptamt

  • NS 31/184 SS-Sanitäts- und -Gesundheitswesen.- Befehle, Anordnungen, Rundschreiben, 1934-1942

  • NS 31/292 SS-Sanitätswesen, 1935-1940

  • NS 33 SS-Führungshauptamt, hierin: Abteilung D - Sanitätswesen

  • NS 33/167 Allgemeine Sanitäts- und Gesundheitsbestimmungen.- Befehle, Erlasse, Verfügungen der Amtsgruppe D insbesondere zur Ausbildung von Sanitätspersonal, zum Einsatz weiblichen Personals, sowie zu Maßnahmen bei bestimmten Krankheiten und Seuchen, 1944

Sources

  • RSD 1 Verordnungsblätter der Waffen-SS

  • Fischer, Hubert: Der Sanitätsdienst der Wehrmacht im 2. Weltkrieg (1939-1945).

  • Eismeerfront, Nordafrika, Italien, Balkan, Landung der Alliierten, Heimatkriegsgebiet, Sanitätsdienste der Kriegsmarine, Luftwaffe, Waffen-SS und ausländischen Freiwilligenverbände, Organisation des Sanitätsdienstes (Der deutsche Sanitätsdienst 1921-1945 Bd. 3, Teil C), Osnabrück 1984.

Process Info

  • This fonds was selected by EHRI from their holding guide, based on date range and subject

  • Bundesarchiv

Subjects

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