Reichsministerium für die kirchlichen Angelegenheiten

Identifier
R 5101
Language of Description
German
Dates
1 Jan 1807 - 31 Dec 1945
Level of Description
Collection
Languages
  • German
Source
EHRI Partner

Extent and Medium

Schriftgut

2317 Aufbewahrungseinheiten

119,8 laufende Meter

Creator(s)

Biographical History

Geschichte des Bestandsbildners

Durch Erlass über die Zusammenfassung der Zuständigkeiten des Reiches und Preußens in Kirchenangelegenheiten vom 16. Juli 1935 errichtet: Übergang der im Reichs- und Preußi‧schen Ministerium des Innern sowie der im Reichs- und Preußischen Ministerium für Wis‧senschaft, Erziehung und Volksbildung bearbeiteten kirchlichen Angelegenheiten auf den Reichsminister und Leiter der Reichsstelle für Raumordnung Kerrl (bis 1941), danach Staatssekretär Muhs.

Scope and Content

Geschichte des Bestandsbildners

Das Reichsministerium für die kirchlichen Angelegenheiten (RKM) wurde durch Erlass des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vom 16. Juli 1935(1) als oberste Reichsbehörde errichtet. Damit gingen die vom Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern sowie die vom Reichs- und Preußischen Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung bearbeiteten kirchlichen Angelegenheiten auf das neu geschaffene Ministerium über.Die durch Gesetz vom 26. Juni 1935 beim Reichsministerium des Innern errichtete Beschlussstelle in Rechtsangelegenheiten der Evangelischen Kirche(2) wurde durch die Zweite Verordnung zur Durchführung dieses Gesetzes vom 27. Juli 1935(3) dem Reichsministerium für die kirchlichen Angelegenheiten angegliedert. Zu den Aufgabenbereichen gehörten die Ausübung der Staatsaufsicht über die Kirchen, kirchlichen Vereine, Anstalten und Stiftungen, Religionsgesellschaften und Weltanschauungsgemeinschaften, Rechtshilfe für die Kirchen und öffentlich-rechtlichen Religionsgemeinschaften, insbesondere in Patronats-, Kirchensteuer- und kirchlichen Finanzangelegenheiten, Regelung der Staatsleistungen an die Kirchen, Pflege kirchlich-kultureller Bestrebungen sowie kirchliche Bau- und Denkmalpflege.(4)

Ein Geschäftsverteilungsplan vom 15. Aug. 1935(5) wies die Abteilung G I Evangeli-sche und G II Katholische Angelegenheiten mit 48 bzw. 34 Sachgebieten aus. Zu den Aufgaben der Evangelischen Abteilung gehörten Angelegenheiten der Landeskirchen, Kirchenämter, Geistlichen und Kirchenbeamten, Dotationen und andere Staatsleistungen, Steuern und Abgaben, Bauten, Heeres- und Anstaltsseelsorge, Ökumene und Auslandsbeziehungen, Religionsunterricht, theologische Fakultäten, Vereine und Verbände, innere und äußere Mission, Juden, Altkatholiken, „konfessioneller Frieden“ und „Bekenntnisfreiheit“ sowie „Zusammenarbeit mit der Gestapo, Strafrecht“. Der Katholischen Abteilung G II oblagen Papst und Kurie, Zirkumskription der Diözesen, Angelegenheiten der Orden und Katholischen Jugend.(6)

Die Leitung wurde dem Reichsminister ohne Geschäftsbereich und Leiter der Reichsstelle für Raumordnung Hanns Kerrl übertragen, der dieses Amt bis zu seinem

Tode im Jahre 1941 wahrnahm. Das Gesetz zur Sicherung der Deutschen Evangelischen Kirche vom 24. Sept. 1935(7) ermächtigte ihn, Verordnungen mit rechtsverbindlicher Kraft zu erlassen, die im Reichsgesetzblatt veröffentlicht wurden. Nach seinem Tod wurden die Geschäfte von Staatssekretär Dr. Muhs weitergeführt, der sich nach Intervention Bormanns und auf Weisung Hitlers auf eine formale Geschäftsführung zu beschränken und von einer eigenständigen Kirchenpolitik abzusehen hatte. Die Zuständigkeit für die nationalsozialistische Kirchenpolitik wurde fortan von der Parteikanzlei wahrgenommen.(8)Das Reichsministerium für die kirchlichen Angelegenheiten hatte seinen Sitz in Berlin, Leipziger Straße 3. Es bestand bis zum Ende der NS-Zeit im Mai 1945.

Der Geschäftsverteilungsplan von Oktober 1938(9) übertrug der Zentralabteilung, die gleichzeitig die Dienststellenverwaltung für die Reichsstelle für Raumordnung wahrnahm, die Aufgabenbereiche Pressepolitik und Propaganda einschließlich „Zensur und Maßnahmen gegen die Inlandspresse“ sowie Angelegenheiten von Rundfunk, Film, Kunst und Musik. Die Evangelische Abteilung wurde in folgende 11 Referate untergliedert:

I Verfassung und VerwaltungII VermögensangelegenheitenIII Besoldung, Unterstützung, Dispositionsfonds, Abgrenzung der Kirchenge-meinden und KirchenkreiseIV AbgabewesenV Bausachen und PatronatVI Kirchliche ÄmterVII Schule, Unterricht, ForschungVIII Kirche und ÖffentlichkeitIX Kirchliches und religiöses LebenX Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften des In- und Auslandes undXI Allgemeine Angelegenheiten.

Zu den Referaten gehörten jeweils mehrere Sachgebiete.

Die Katholische Abteilung umfasste folgende Referate:

I Kirchenpolitische Angelegenheiten, Personalien, Erziehung und Schule, kirchliches LebenII Kirchliches Finanzwesen, Anstalten und Stiftungen, JustitiariatIII Kirchengemeinden und Pfarramt, Bausachen und Patronat sowieIV Kirche und Öffentlichkeit.

Der Geschäftsverteilungsplan vom 15. Febr. 1944(10) sah zudem für jede Abteilung ein zusätzliches Referat „Angelegenheiten der Ostmark“ vor.

1 RGBl. I S. 10292 RGBl. I S. 7443 RGBl. I S. 10604 Vgl. Handbuch für das Deutsche Reich 1936, Berlin 1936, S. 2895 BArch, R 5101 / 234936 Vgl. Boberach, a.a.O., S. 3077 RGBl. I S. 11788 Vgl. Boberach, Heinz: Organe der nationalsozialistischen Kirchenpolitik. Kompetenzverteilung und Karrieren in Reich und Ländern, in: Staat und Parteien. Fest-schrift für Rudolf Morsey zum 65. Geburtstag, Berlin 1992, S. 3089 BArch, R 5101 / 2110 BArch, R 5101 / 24154

Bestandsbeschreibung

Organisation und Geschäftsbetrieb des Reichsministeriums für die kirchlichen Angelegenheiten und der Reichsstelle für Raumordnung: Errichtung, Aufgaben und Organisation 1933-1945 (20), Innerer Dienst 1935-1945 (58), Haushalts-, Kassen-und Rechnungswesen 1930-1945 (27), Personalangelegenheiten 1898-1945 (93), Reichs-, Länder- und andere Behörden, NSDAP-Dienststellen, Eingaben 1921-1945 (278).

Gemeinsame Angelegenheiten der evangelischen und katholischen Kirchen, sonstiger Glaubensgemeinschaften, Vereine und Verbände: Allgemeines 1932-1945 (21), Geistliche und sonstige Kirchenbedienstete 1898-1945 (22), Finanzielle Angelegenheiten der Kirchen 1852 -1945 (82), Kirchliche Statistik 1920-1945 (11), Bauangelegenheiten 1878-1945 (38), Kirchliches und religiöses Leben 1933-1945 (40), Presse- und Rundfunkangelegenheiten 1935-1945 (33), Kirchen im Ausland und in den eingegliederten, angegliederten und besetzten Gebieten 1920-1944 (12), Andere weltanschauliche und Glaubensgemeinschaften, Freikirchen, Vereine und Verbände 1807-1945 (60).

Evangelische Kirche: Landeskirchen und Deutsche Evangelische Kirche (DEK) 1932-1945 (34), Evangelische Kirche der Altpreußischen Union 1925-1945 (7), Sonstige landeskirchliche Angelegenheiten 1846-1945 (181), Geistliche und sonstige Kirchenbedienstete 1882-1945 (70), Bau- und Grundstücksangelegenheiten 1811-1945 (159), Finanzielle Angelegenheiten 1812-1945 (110), Klöster, Domstifte 1843-1945 (28), Religiöses und kirchliches Leben 1862-1945 (56), Religiöse und Glaubensgemeinschaften 1892-1944 (18), Evangelische Kirchen in den eingegliederten, angegliederten und besetzten Gebieten sowie im Ausland, Internationale Vereinigungen 1835-1944 (66), Rechtsangelegenheiten 1880-1945 (34).

Katholische Kirche: Verhältnis von Staat und Kirche 1827-1945 (86), Kirchenprovinzen, Diözesen, Parochien 1817-1945 (109), Geistliche und sonstige Kirchenbedienstete 1822-1945 (26), Bau- und Grundstücksangelegenheiten 1817-1944 (74), Finanzielle Angelegenheiten 1820-1945 (67), Religiöses und kirchliches Leben 1812-1945 (117), Vereine, Verbände, Glaubensgemeinschaften 1899-1944 (8), Katholische Kirche in den eingegliederten, angegliederten und besetzten Gebieten sowie im Ausland 1841-1945 (98), Rechtsangelegenheiten 1840-1945 (91).

Vorarchivische Ordnung

Registraturen   

Entsprechend der Untergliederung der Geistlichen Abteilung (G) des Preußischen Kultusministeriums in eine Evangelische und eine Katholische Unterabteilung wurden auch die Akten nach ihrer Entstehung (G I = Evangelische Abteilung, G II Katholische Abteilung) gekennzeichnet. Innerhalb dieser Teilung wurden General- und Spezialakten angelegt, wobei letztere überwiegend regional gegliedert wurden. Darüber hinaus gab es ab 1890 Akten, die aufgrund ihrer politischen Bedeutung als Geheimakten (Abteilung XV) geführt wurden. Akten der Zentralabteilung des Reichsministeriums für die kirchlichen Angelegenheiten wurden mit HB (für Hauptbüro), konfessionsübergreifende Angelegenheiten (z. B. Bausachen) mit G III gekennzeichnet. Akten der Beschlussstelle in Rechtsangelegenheiten der Evangelischen Kirche erhielten die Kennzeichnung BS (für Beschlussstelle).

Im Rahmen der Verlegung von Ministerien aus Luftschutzgründen wurden im Jahre 1943 zwei Abteilungen sowie Teile der Bibliothek und des „Archivs“ des Reichsministeriums für die kirchlichen Angelegenheiten unter Leitung eines Sonderstabes in das Predigerseminar nach Wittenberg verlegt.(1) Neben den wenigen erhalten gebliebenen Akten der Beschlussstelle müssen die in der Dienststelle des Reichskirchenministeriums in Berlin verbliebenen Registraturen als kriegsbedingt verloren angesehen werden.

Die nach Wittenberg ausgelagerten Akten gelangten anscheinend ohne nennenswerte Verluste im Jahre 1946 in das Deutsche Zentralarchiv nach Potsdam.

1 BArch, R 5101 / 24255

Erschliessungszustand

Publikationsfindbuch (2000)

Zitierweise

BArch R 5101/...

Related Units of Description

  • Verwandtes Archivgut im Bundesarchiv

  • Unterlagen zur Kirchenpolitik sind in einer Reihe von Beständen des Bundesarchivs enthalten. Der Bestand Reichskanzlei (R 43) enthält Akten zum Verhältnis Staat, NSDAP und Kirche im Dritten Reich, zum Kirchenstreit und der Deutschen Evangelischen Kirche, zur Deutschen Glaubensbewegung, zu weltanschaulichen und Glaubensgemeinschaften allgemein sowie zu finanziellen und Personalangelegenheiten. Der Bestand Partei-Kanzlei der NSDAP (NS 6) enthält insbesondere in den Partei-verlautbarungen 1933 bis 1945 Unterlagen zur nationalsozialistischen Kirchenpolitik. Die Lageberichte der Gestapo und des Sicherheitsdienstes SD im Bestand Reichssicherheitshauptamt (R 58) enthalten Unterlagen über die Beobachtung und Verfolgung von Kirchen und Religionsgemeinschaften, insbesondere von Sekten und Freimaurern sowie Maßnahmen gegen oppositionelle Geistliche beider Konfessionen. Akten des Bestandes Auswärtiges (R 901) und die des Politischen Archivs des Aus-wärtigen Amts geben Auskunft über deutsche evangelische und katholische Ge-meinden im Ausland, über das Kirchenwesen im Ausland selbst sowie über internationale Beziehungen in diesem Bereich. Unterlagen über die Verfolgung von Einzelpersonen und über die rechtliche Stellung der Kirche sind im Bestand Reichsjustizministerium (R 3001) überliefert. Der Bestand Der Beauftragte des Führers für die Überwachung der gesamten geisti-gen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der NSDAP (NS 15) enthält Schriftgut und Zeitungsausschnitte zur Lage der Kirchen im In- und Ausland, zu internationalen kirchlichen Kongressen und zur Auseinandersetzung zwischen Staat und Kirche in der NS-Zeit. Akten der Persönlichen Adjutantur des Führers und Reichskanzlers (NS 10) enthal-ten neben Unterlagen zum Verhältnis NSDAP und Kirchen Korrespondenzen des Reichskirchenministers Kerrl mit Hitler aus den Jahren 1935 bis 1938. Haushalts- und Personalunterlagen über das Reichsministerium für die kirchlichen Angelegenheiten sowie Nachweise über finanzielle Leistungen des Staates an die Kirchen sind auch im Bestand Reichsfinanzministerium (R 2) überliefert. Akten des Kirchenreferates des SD-Hauptamtes, bis 1940 auch des Amtes VII des Reichssicherheitshauptamtes, die unter der Verfügungsgewalt des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit unter den Signaturen ZB I, ZA I, ZB und ZV IV zusammengefasst wurden, enthalten Unterlagen zur evangelischen und katholischen Kirche, zum Judentum, zu Sekten, Vereinen, Logen sowie über einzelne Geistliche. Vorakten des Preußischen Kultusministeriums befinden sich im Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz.

  • Literatur

  • Abele, Christina / Boberach, Heinz: Inventar staatlicher Akten zum Verhältnis von Staat und Kirchen 1933-1945, Hrsg. von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Zeitgeschichte und der Kommission für Zeitgeschichte, 3 Bde., Kassel 1987/88 Boberach, Heinz: Meldungen des SD und der Gestapo über Kirchen und Kirchenvolk in Deutschland, Mainz 1971 Boberach, Heinz: Organe der nationalsozialistischen Kirchenpolitik. Kompetenzverteilung und Karrieren in Reich und Ländern; in: Staat und Parteien. Festschrift für Rudolf Morsey zum 65. Geburtstag, Hrsg. von Karl Dietrich Bracher, Paul Mikat, Konrad Repgen, Martin Schumacher und Hans-Peter Schwarz, Duncker & Humblot, Berlin 1992, S. 305 ff. Dokumente zur Kirchenpolitik des Dritten Reiches / Hrsg. im Auftrag der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Zeitgeschichte von Georg Kretschmar.Bd. 1 Nicolaisen, Carsten (Bearb.): Das Jahr 1933, München 1971Bd. 2 Grünzinger, Gertraud (Bearb.): 1935-1937, München 1994 Haugg, Werner: Das Reichsministerium für die kirchlichen Angelegenheiten; in: Schriften zum Staatsaufbau II, Heft 44, Berlin 1940 Inventar archivalischer Quellen des NS-Staates. Die Überlieferung von Behörden und Einrichtungen des Reichs, der Länder und der NSDAP / Hrsg. im Auftrag des Instituts für Zeitgeschichte von Heinz Boberach, K.G. Saur, München u.a. (Texte und Materialien zur Zeitgeschichte; 3)1. Reichszentralbehörden, regionale Behörden und wissenschaftliche Hochschulen für die zehn westdeutschen Länder sowie Berlin.- 19912. Regionale Behörden und wissenschaftliche Hochschulen für die fünf ostdeutschen Länder, die ehemaligen preußischen Ostprovinzen und eingegliederte Gebiete in Polen, Österreich und der Tschechischen Republik mit Nachträgen zu Teil I.- 1995 Kreutzer, Heike: Die Entstehung des Reichsministeriums für die kirchlichen Angelegenheiten. Rahmenbedingungen, Kompetenzen und Aufbau einer obersten Reichsbehörde. Magisterarbeit, Leipzig 1993 Meier, Kurt: Der Evangelische Kirchenkampf, Gesamtdarstellung in drei Bänden, Halle (Saale) 1976/1984 Rudolph, Jörg: „C. Vorlegen“ – Neueste Quellenfunde zur Geschichte im Nationalsozialismus, Hrsg. von der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für kirchliche Zeitgeschichte München, Mitteilungen, Folge 13, Juni 1993 Wenschkewitz, Leonore: Zur Geschichte des Reichskirchenministeriums und seines Ministers, in Tutzinger Texte, Sonderband I: Kirche und Nationalsozialismus. Zur Geschichte des Kirchenkampfes, Hrsg. von Paul Rieger und Johann Strauß, München 1969

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